Was ist abstrakte Kunst ? (Und warum sie mehr ist als zufällige Farbkleckse)
Abstrakte Kunst. Uff. Für die einen klingt das nach Chaos auf der Leinwand, nach willkürlichen Formen und Farben ohne erkennbaren Sinn. Für andere ist es ein Spiegel der Seele, ein Raum für Emotionen, Erinnerungen, für das, was sich nicht in Worte fassen lässt.
Ich selbst habe über Umwege zur abstrakten Kunst gefunden. Und je tiefer ich in sie einsteige, desto mehr spüre ich: Sie ist nichts Verrücktes, Unerklärliches, Chaotisches. Sie ist ein tiefes Eintauchen in unsere Existenz und in unsere Seele.
Und vor allem bedeutet es nicht, dass der Künstler oder die Künstlerin dahinter nicht realistisch malen kann, denn es ist keine Flucht aus der Realität. Abstrakte Kunst ist ein Weg in sie hinein.
Ist das Kunst oder kann das weg?
Die abstrakte Malerei entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, als Künstler*innen begannen, sich von der realistischen Darstellung zu lösen. Statt Landschaften, Porträts oder Gegenstände zu zeigen, traten Linien, Farben, Flächen, Formen und Strukturen in den Vordergrund.
Es ging nicht mehr darum, was ein Bild zeigt, sondern wie es wirkt. Und genau das macht die abstrakte Kunst so besonders: Sie lädt nicht zum Interpretieren, sondern zum Fühlen ein.
Ein Bild muss nichts erklären. Es darf einfach sein. Und in diesem Sein entsteht eine Verbindung zwischen dem Werk und dem Betrachter. Ohne Worte. Ohne Anleitung. Obwohl die richtigen Worte oft helfen - nicht nur dem Betrachtenden, sondern vor allem dem Kunstschaffenden selbst.
Künstler*innen der abstrakten Kunst
Schon die ersten Künstler*innen, die sich von der gegenständlichen Darstellung lösten, wussten um die Kraft des Abstrakten. Besonders im von mir geliebten Abstrakten Expressionismus, der in den 1940er und 1950er Jahren in den USA entstand, ging es nicht mehr um die äußere Form - sondern um innere Wahrheiten.
Künstlerinnen wie Joan Mitchell oder Helen Frankenthaler haben diesen Weg eindrucksvoll beschritten und in einer von Männern dominierten Kunstwelt neue Wege eröffnet.
Joan Mitchell lässt in ihren kraftvollen, vielschichtigen Arbeiten Gefühle aufleuchten, ohne sie je zu benennen. Ihr Werk gleicht einem poetischen Ringen mit dem Augenblick.
Helen Frankenthaler wiederum hat eine eigene Technik entwickelt, den „Soak-Stain“, bei dem die Farbe tief in die rohe Leinwand eindringt. Ihre Arbeiten wirken oft leicht und transparent, haben aber eine enorme Tiefe.
Auch Künstler wie Wassily Kandinsky, Mark Rothko oder Cy Twombly haben gezeigt, wie abstrakte Kunst zum Resonanzraum wird - für Emotionen, Stille, Dynamik, Erinnerung. Und auch heute entstehen Werke, die diesen Geist weiterführen - still, radikal, berührend.
Ich habe das Glück, viele Werke von Cy Twombly hier in München aus der Nähe betrachten zu können, und ich gehe regelmäßig hin, um mich daran erinnern zu lassen, wie viel Poesie in der Farbe liegen kann:
Denn das Museum Brandhorst besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen des amerikanischen Künstlers. Ihm ist sogar die gesamte obere Etage des Museums gewidmet.
Warum gerade abstrakte Kunst?
In einer überdigitalisierten Welt, die in Schwarz-Weiß denkt und oft schnelle Antworten verlangt, ist abstrakte Kunst ein stiller Gegenentwurf. Sie stellt keine Forderungen. Sie fragt nicht, ob du sie „richtig“ verstehst.
Sie öffnet einen Raum - für das, was du mitbringst. Für deine Erinnerungen, deine Gefühle, deine innere Stimmung. Vielleicht siehst du Bewegung in einem Bild. Ein anderer spürt darin Stille. Und beides ist wahr.
Darin liegt für mich ihre Kraft: Abstrakte Kunst wertet nicht. Sie ist wie ein Spiegel - aber keiner, der dir zeigt, wie du aussiehst, sondern einer, der sichtbar macht, wie du dich fühlst.
„Das kann meine 3-jährige Nichte doch auch“
Immer wieder höre ich den Satz: „Das könnte mein Kind auch malen“. Viele Menschen schauen sich die Werke von Pollock an und schütteln nur den Kopf.
Kinder malen übrigens tatsächlich ganz wundervoll und sind für uns Künstler:innen große Lehrer - denn das Problem liegt oft nicht im Malen, sondern in unserer verlernten Fähigkeit, mit Freiheit und Nicht-Perfektion umzugehen.
Und ja - auf den ersten Blick wirkt abstrakte Kunst manchmal spielerisch, fast zufällig. Aber genau darin liegt ihre Herausforderung: in der bewussten Komposition des Ungeplanten.
Genauso wie viele Menschen Schwierigkeiten haben, abstrakte Werke zu verstehen, ist es für uns Künstler*innen eine echte Herausforderung, sie zu erschaffen.
Denn Abstraktion braucht Tiefe, Entscheidungskraft, Reduktion, Mut zur Leere - und den Verzicht auf Erklärung.
In der gegenständlichen Malerei gibt es einen klaren Bezug: ein Apfel, eine Landschaft, ein Gesicht. In der abstrakten Kunst dagegen muss ich alles aus mir selbst schöpfen. Ich entscheide über Formen, Farben, Linien - nicht weil ich „etwas darstellen“ will, sondern weil ich auf eine innere Resonanz reagiere.
Und wer selbst einmal versucht hat, abstrakt zu malen, der merkt in der Tat schnell: So einfach ist das nicht. Es geht nicht darum, einfach drauflos zu malen. Es geht um Komposition, um Verdichtung, um Ausgewogenheit. Es ist ein stiller Dialog mit dem Material - und mit mir selbst.
Wie ich arbeite – und warum ich Raum lasse
Meine Bilder entstehen schichtweise. Ich arbeite mit Acryl, Pigmenten, Kohle, Ölstiften, Pastell - oft auf Papier, manchmal auf Leinwand. Es gibt keine Skizze, keinen festen Plan.
Was entsteht, entsteht im Augenblick. Und oft ist Wasser mein Begleiter - nicht nur als technisches Medium, sondern als Symbol für das Fließende, sich Verändernde, Verbindende.
Ich lasse viel Raum. Auch die Leere gehört zu meiner Komposition. Nicht alles muss gefüllt werden. In den Zwischenräumen zeigt sich das Eigentliche.
Strukturen, Linien, Farbverläufe - sie dürfen sich überlagern, sich zurückziehen, hervortreten. So wie wir Menschen: mal laut, mal leise. Mal klar, mal verschwommen.
Abstrakte Kunst ist für Menschen, die Tiefe suchen
Meine Kunst richtet sich an Menschen, die im Außen oft funktionieren - und sich im Inneren nach etwas anderem sehnen. Nach einem Ort zum Durchatmen. Nach einem Stück Ruhe inmitten der Reizüberflutung.
Viele meiner Kund:innen sind selbst kreativ tätig. Oder sensibel. Oder beides. Sie suchen keine dekorativen Accessoires - sie suchen Resonanz.
Ein Bild, das in einem Zimmer hängt, verändert diesen Raum und die Menschen darin - jedes Mal ein bisschen mehr, wenn sie es sehen. Vielleicht nicht auf Anhieb. Aber auf lange Sicht. So wie es nur wahre Kunst vermag.
Was hat das mit Achtsamkeit zu tun?
Für mich sehr viel. Denn abstrakte Kunst verlangt nichts - aber sie gibt dir etwas, wenn du bereit bist, einen Moment innezuhalten, hinzuschauen, zu reflektieren und den Gefühlen zu erlauben, da zu sein. Sie holt dich in die Gegenwart. Sie bringt dich in Kontakt mit dem, was in dir schwingt.
Achtsamkeit bedeutet, präsent zu sein. Und genau das ist der Moment, in dem Kunst wirkt.
In meiner Arbeit verbinde ich beide Welten: die der Kunst und die der Achtsamkeit. Es ist kein Zufall, dass viele meiner Bilder mit Stille beginnen - oder mit einer kurzen Meditation.
Kunst ist für mich tatsächlich eine meditative Praxis. Nicht nur im Sinne eines Rituals. Sondern als eine Form des Dialogs - mit mir selbst, mit dem Material, mit dem Leben.
Abstrakte Kunst kaufen – eine Herzensentscheidung
Wenn du dich für ein abstraktes Werk entscheidest, wählst du mehr als nur ein Motiv. Du wählst eine Verbindung.
Oft sagen Menschen, die meine Bilder sehen: „Ich weiß nicht warum, aber es berührt mich.“ Und genau darum geht es. Man muss es nicht erklären können. Du darfst es einfach fühlen.
In meinem Online-Shop findest du die ersten Originale. Bald wird es auch neue Werke und hochwertige Kunstdrucke geben, die im Rahmen meines Winterprojektes entstanden sind.
Diese werden aber erst auf der ARTMUC im Mai (01.-04.05.2025) der Öffentlichkeit vorgestellt. Abonniere meinen Newsletter, um zu erfahren, wann es soweit ist.